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Geprüfter Betrieb der Deutschen Reiterlichen Vereinigung e.V. (FN) Unser Betrieb hat eine Zertifizierung (Prüfsiegel) durch die Deutsche Reiterliche Vereinigung e.V. (FN) nach bundeseinheitlichem Standard erworben.


Ein Tag auf dem Welsh-Gestüt

In der Früh, wenn das Gras noch feucht schmeckt und es ganz langsam heller wird, dann sind nur wir Tiere wach. Auf unserer Koppel erlauben wir den frechen Rehen, dass sie uns ein bisschen Frühstücksgras stibitzen und wenn die zwei vorlauten Ziegen Biene und und Maja zu laut "Määääh" rufen, dann wiehre ich mahnend "Ruhe" zurück. Denn ich kenne die Menschen und weiß, dass sie ein bisschen faul sind und viel länger schlafen als wir Ponys. Erst nach sieben Uhr rumoren die ersten Menschen im Stall und auf dem Paddock, während die Hunde über den Hof fetzen, die Nase probeweise in den Mist stecken und das alte Fangspiel mit den Katzen spielen. Ich bin ein Experte was die Menschen und Tiere auf dem Welsh-Gestüt betrifft, denn ich bin hier geboren.

Mein Name ist Dreamer. Das heißt übersetzt Träumer, was euch nicht in die Irre leiten sollte. Denn statt zu träumen beobachte ich genau, was um mich herum passiert. Deshalb weiß ich auch genau, dass die faulsten Menschen die Kinder sind: Erst wenn die Betreuerin ruft und singt und manchmal die Kinder persönlich bittet aufzustehen, dann tun die Kinder das auch. Manche Betreuer lassen um 8 Uhr zum Wecken Musik laufen, denn nicht jede hat so eine kräftige Stimme, dass die Kinder sofort aufrecht im Bett sitzen, wenn sie "Aufstehen" rufen.

Von meiner Koppel aus kann ich jeden Morgen beobachten, wie zwei Kinder kurz nach dem Wecken aus dem Ponyhaus schlüpfen. Das sind die Kinder, die morgens im Stall helfen. Da freuen sich meine kleinen Kumpels im Streichelzoo, denn diese Kinder bringen ihnen frisches Wasser und umsorgen sie.

Um halb neun ist es dann vorbei mit der Ruhe. Wenn die Glocke läutet, dann gibt�€™s Fressen für die Kinder. Frühstück nennen sie das, wo doch unsereins schon seit Stunden wach ist. Wir Ponys warten ungeduldig darauf, dass die Kinder mit diesem Frühstück fertig sind, denn dann sind wir ihr Mittelpunkt.

In den Ferien habe ich jede Woche zwei neue Pfleger. Weil ich ein aufgeschlossener Typ bin und gerne neue Kinder kennenlernen, gefällt mir das gut. Und oft kennen wir uns vom vorigen Jahr, wo wir uns schon angefreundet haben. Ein Kind ist immer etwas vorsichtiger als das andere: das weiß noch nicht so genau, wie man uns Ponys putzt, sattelt und trenst. Deshalb machen die Kinder das zusammen, die Anfängerin und die Könnerin. Die Reitlehrerin hat ein Auge darauf, dass die Kinder alles richtig machen und bei mir nichts zwickt.

Ich höre den Kindern gerne beim Reden zu. Unbedingt, sagt das eine Mädchen, will sie diese Woche noch Singstar spielen. Das andere Mädchen plant ein Gertenspringturnier an einem Abend. Ich denke mir, dass es wohl besser ist, dass ich abends auf der Koppel bin. Denn ich wäre ein gefeierter Singstar und würde auch das Gertenspringtturnier gewinnen. Und es ist ja ein bisschen gemein, wenn einer immer alles kann.

In meiner Jugend war ich ein richtiger Senkrechtstarter. Ich habe eine Schleife nach der anderen geholt, doch bin vor einigen Jahren aus dem Turniersport ausgestiegen. Ich habe eine zweite Karriere gestartet und arbeite als Pädagoge mit Kindern. Wenn ein Kind lieb zu mir ist und sich anstrengt, dann ist es mir egal, wenn es noch nicht reiten kann. Ich bring es dem Kind bei. Ein wenig unterstützt mich dabei die Reitlehrerin Corina. Wir sind ein gutes Reitlehrer-Team, ich kenne sie seit meiner Fohlenzeit. Wir Pferde machen in der Reitstunde immer alles richtig, uns verbessert sie nie. Absatz tief, sagt Corina zu einem Kind und dass es die Hände ein wenig zurücknehmen soll. Und sie lässt die Kinder mit den Armen kreisen und sich auf meinen Rücken legen. Ich kann ja den Kindern nur raten, sich den Reitunterricht der anderen Gruppen anzuschauen: Erstens, weil wir Ponys so hübsch anzusehen sind und zweitens, weil die Kinder da viel lernen können.

Wer wie ich als Pädagoge arbeitet, der braucht eine ordentliche Mittagspause, um wieder Kraft zu tanken. Die Kinder nutzen die Zeit, um Hamburger oder Spaghetti oder Reispfanne zu essen. Weil wir Ponys Pause haben, kommen die Kinder auf witzige Ideen: Auf dem Hof gibt es eine Tonne, die sieht aus wie ein dickes, grünes Pony und diese Tonne sogar einen Sattel. Das muss man sich mal vorstellen, ein unechtes Tonnenpferd! Auf dieser Tonne üben und turnen die Kinder. Ich beobachte das wohlwollend und freue mich auch über Kinder, die Pferdebücher in der Sonne lesen oder sich für Reitprüfungen abfragen.

An manchen Tagen reiten wir nachmittags aus. Wenn die Kinder leise sind, dann trauen sich die Waldtiere raus, ein Reh sagt Guten Tag und die Vögel zwitschern so fröhlich, dass mir fast die Ohren klingen. Manchmal, da singen die Kinder auch, zum Beispiel ein Lied über Bibi und Tina. Woher sie die zwei Mädels kennen, weiß ich nicht. Sicher waren sie nie Ferienkinder auf dem Welsh-Gestüt, dann würde ich sie kennen. Ich höre zwei Mädchen zu, die sich beim Ausritt unterhalten. Meine Reiterin behauptet, dass ein Mädchen bei der Nachtwanderung am Dienstag eine so gruselige Geschichte erzählt hat, dass ihr das Blut kurz in den Adern gefroren ist. Das glaube ich freilich nicht, denn das geht weder bei Warmblütern noch bei Kaltblütern. Ich erinnere mich, dass mir Mittwochmorgen der Fuchs erzählt hat, dass die Kinder nachts im Wald so laut waren, dass ihm die Ohren geschlackert haben. Wenn man nachts bei jemandem durchs Wohnzimmer trampelt, hat der Fuchs gesagt und dabei sehr ernst geguckt, dann muss man ein Mindestmaß an Anstand bewahren und darf sich nicht wie eine Herde Wildschweine aufführen. Der Fuchs mag keine Wildschweine und Kinder mag er nur, wenn sie leise sind.

Wenn alle Kinder am Nachmittag geritten sind, fangen sie an Blödsinn zu machen. Bei gutem Wetter ziehen sie ihre Badesachen an und jagen sich über den Hof. Bei schlechtem Wetter gibt es Modelshows im Ponyhaus oder ein Völkerball-Turnier in der Reithalle. Ich habe dann Feierabend und schaue mir das Treiben aus der Ferne an. Um 22 Uhr wird es dann ruhig auf dem Hof. Nur die Katzen schleichen herum und wir dösen auf der Koppel und träumen von unseren Kindern, die wir so gern haben.

Welsh-Gestüt Breuberg Tel. 0 61 65 / 17 08